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Wie Pythia entsteht

Mai 2025Stufe 1 · Explore

Plattform statt Auswertung

Warum Pythia Daten erst sammelt, dann ordnet und erst danach rechnet.

Skizze: lose Belege werden zu Achsen und zu einem Datenwürfel
Skizze

„Kannst du mir mal schnell zeigen, wie sich die Retouren im eigenen Shop gegenüber dem Marktplatz entwickelt haben?“ In vielen Unternehmen dauert die Antwort auf diese Frage zwei Tage. Nicht, weil die Daten fehlen – sie liegen alle im ERP. Sondern weil jede neue Frage eine neue Auswertung braucht, die jemand erst bauen muss.

Pythia sollte das umdrehen: Die Arbeit steckt einmal in der Ablage der Daten, danach ist jede Frage nur noch ein Filter.

Erst sammeln, dann ordnen, dann rechnen

Der Umbau folgte einem alten, bewährten Muster aus dem Data Warehousing. Daten durchlaufen drei Schichten:

  1. Staging: Alles kommt so an, wie es geliefert wird – alle 76 Spalten, unverändert, als Text. Nichts wird beim Einlesen interpretiert, also geht beim Einlesen auch nichts verloren.
  2. Dimensionen: Die stabilen Achsen, nach denen man fragt – Zeit, Artikel, Warengruppe, Kanal, Lager, Land, Zahlungsart, Belegtyp.
  3. Fakten: Die eigentlichen Kennzahlen, sauber typisiert und mit Verweisen auf die Dimensionen. Verkauf, Gutschrift, Einkauf und Lagerbewegung stehen in getrennten Tabellen.

Das klingt nach Technik, hat aber eine sehr praktische Folge: Jede Kennzahl lässt sich nach denselben Achsen schneiden. Ob Umsatz, Stückzahl oder Retouren – derselbe Filter auf Kanal oder Warengruppe wirkt überall gleich.

Belegtypen ernst nehmen

Der wichtigste Schritt war unscheinbar: Pythia unterscheidet jetzt, was ein Beleg eigentlich ist. Rechnung, Gutschrift, Ausgangsauftrag, Lagerbewegung, Wareneingangsrechnung, Bestellung, Lieferantenbeleg. Jeder Typ hat seine eigene Bedeutung und landet in der passenden Faktentabelle.

Erst dadurch werden Fragen möglich, die vorher gar nicht stellbar waren: Wie verhält sich der Einkauf zum Abverkauf? Wie entwickeln sich Gutschriften neben den Verkäufen?

Warengruppe ist nicht gleich Geschäft

Eine Entscheidung aus dieser Zeit prägt Pythia bis heute. Die Warengruppen im ERP sind über Jahre gewachsen. Manche historische Sammelgruppe enthält völlig verschiedene Produktwelten. Wer nach diesen Gruppen auswertet, vergleicht Äpfel mit Gartenmöbeln.

Die ERP-Warengruppe ist eine Buchhaltungsachse. Für Entscheidungen braucht es eine fachliche Gruppierung.

Diese fachliche Gruppierung kam später als eigene Schicht dazu. Die Plattform war von Anfang an darauf vorbereitet.

Offen für mehr

Weil der Kern nur Staging, Dimensionen und Fakten kennt, lassen sich neue Quellen anschließen, ohne ihn umzubauen: Artikelstammdaten, Wetter, Konjunktur, Ereignisse. Jede neue Quelle wird zu weiteren Dimensionen oder Fakten – und ist sofort mit allem anderen kombinierbar.

Im nächsten Monat: Die 88 % – was passiert, wenn eine Prüfung denselben Fehler macht wie das, was sie prüfen soll.

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